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Literatur


Zwei Jahrhunderte der Literatur in Sombor

 
 
 

Vladika Platon Atanackovic

Miloš Svetić

Ivan Jugovic


Der Anfang und das Ende der ersten Zeitperiode in der Literaturgeschichte von Sombor symbolisieren mit einer wunderbaren Koinzidenz zwei dichterische Apothesen – frühere, die der Stadt gewidmet wurde, und die jüngere, die der Mutter Gottes gewidmet ist. Aus der verschmutzten freien königlichen Stadt, sich gleichzeitig von ihr und von dem Leben verabschiedend, wollte Fra Bona Mihaljević, der Ordensbruder des Franziskanerkonvents, der durch die Regulierung des Kaisers Joseph II aufgelöst wurde, dass ihm Sombor der letzte eschatologische übriggebliebene Aufenthaltsort wird. Das hat er in gereimtem Zehnsilber ausgedrückt: Premako se s tobom i rastajem / ali želim da s u nebu sastanem. Ja putnik pristajem sad pivati / jer ću malo na svitu živiti. Am Anfang des 20. Jahrhunderts, vor der Gottesmutter seine "sündlichen Irrewege" des bisherigen Lebens bereuend, dichtete Laza Kostić sein berühmtes Reugedicht Santa Maria della Salute (1909), um sich, gereinigt, in ekstatischer Begeisterung, auf dem Punkte des Absoluts, wo aller Zeiten Unterschiede schweigen, mit der toten Geliebten vereinigen zu können. In dieser metaphysischen Verbindung, auf dem literarisch-esthetischen Niveau, ist die Literatur, die in Sombor enstand, sehr schnell den Weg, von dem Werk als sprachlicher Manifestation mit kommunikativer Funktion bis zur hohen esthetischen sprachlichen Erscheinung gegangen, simultan die stilistisch-künstlerischen Richtungen ihrer Zeit bezeichnend.
Nur eine oder zwei Distanzen von Mihaljevićs Anfang, auf der Kreuzung des 18. und 19.Jahrhunderts, im Zusammenklang der Rokoko-, Klassizistik- und Vorromantikströmungen zeigen die Somborer Dichter, die um die grammatikale Schule von Vasilije Kovačić und Präparandie gesammelt waren, einen hohen Grad der künstlerischen Ausdrücksfähigkeit. Eine ganze Generation der Dichter des reuigen Klassizismus (Avram Mrazović, Jovan Berić, Ivan Jugović, Nikolaj Šimić) oder des reinen klassizistischen Konzepts (Platon Atanacković), hat sich sehr erfolgreich in allen wichtigeren Genres dieser Zeit erprobt: Öde, Elegie, Epitaph, Begräbnisrede, Biographie. Diese ganze Generation war zusammen mit den Problemen der Diglosie konfrontiert. Sehr hoch über sie ragt die polyhistorische Figur von Jovan Hadžić, alias Miloš Svetić, der der Begründer von Matica Srpska war, der Chefredakteur von "Letopis", und "Golubica". Er war Gesetzschreiber, Historiker, Dichter und Übersetzter. Er war Verehrer der römischen Silbenmessung. Er hat in den vierzigen Jahren des 19. Jahrunderts das klassizistische Repretoire seiner Dichtung mit nationalen Themen verbreitet, so dass er schämlich das Ende des Klassizismus in der serbischen Dichtung und den Anfang des Romantismus angedeutet hat. Die Epoche der Romantik in Sombor kennzeichnete die Poesie des Epigonen. Der längste der Dauer nach (1860-1914) brachte Lärm, Wut und am häufigsten hypertrophiertes vaterländisches Gefühl, und eine Fülle der nicht erfinderischer patriotischer Lyrik, die auf den Seiten von "Golub" unterstützt wurde. "Golub" war ein literarischer Blatt für die serbische Jugend (1879-1914). In seltenen Momenten der intimistisch-meditativen Inspiration befreit sich die Poesie dieser Zeit von dem aufgedrungenen Klischee, zeugend zweifellos von grösserer Begabung mancher Schriftsteller (Mita Popović, Nika Grujić Ognjan, Petar Despotović, Ivan M. Popović, Vojin Bikar). Späte Poesie von Laza Kostić, der neben Djura Jakšić und Jovan Jovanović Zmaj der hervorragendste Koryphäe der hohen serbischen Romantik war, stellt seine Dekonstruktion und Autodestruktion vor. Der Dichter der nationalen Idolatrie bis zur Hälfte der siebzigen Jahre, ist er in der Somoborer Periode (1895-1910) der Satiriker der nationalen Mythologie und Mythomanie als eines Instrumenten der sprachlichen Praxis. Sein letztes Gedicht ist nach vielen Eigenschaften besonders, sowohl als ein triumphaler Blitz einer ausgestorbenen literarischen Epoche, d.h. als Spätsommer der serbischen Romantik, die unter nichtausgehenden stilistischen Richtungen versteckt war. Erzählerisches und dichterisches Werk von Veljko Petrović ist eine sehr ausdrucksvolle Bezeichnung der jugoslawischen Periode in der Literatur von Sombor. Von seinen Anfängen wurde er von höchsten Instanzen der serbischen Kritik (Jovan Skerlić) mit dem Ruhm des Erneuerers der vaterländischen Poesie begleitet Er hat sich am erfolgreichsten in der Novelistik vervollständigt, wo er realistische Motiven, moderne Töne der psychologischen Observierung oder Groteskheit des Menschen und der Welt eingetragen hat. Das hat er von den berühmten Vorläufer aus der Vojvodina, J. Ignjatović und S. Sremac geerbt. Er hat seine Geburtsstadt literarisch in einen mytologischen Poetonimus unserer Literatur sublimiert, in dem er die serbische Gesellschaft in Ungarn gezeichnet hat – Ravangrad. Sehr vielfach begabt (Dichter, Übersetzter, Enzyklopädist, Kunsthistoriker, Publizist, Chefredakteur) war Veljko Petrović in der Vergangenheit Jovan Hadžić ähnlich.

 Aus dem Kreis der jungen Schriftsteller, die in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts um die literarische Zeitschrift "Pokret" gesammelt wurden, haben sich mit der Kraft der schöpferischen Individualität Boško Ivkov und Miroslav Josić Višnjić gesondert. In der besten Tradition des Stils "über den Fluss" (Crnjanski, Isidora, Kašanin), den Genren nach sehr unterschiedlich (Poesie, Erzählung, Roman, Essay), kann man ihr Werk nach seinem Lyrismus und nach den philigranischen Barokströmungen, die machmal bis zum Rande der Atrifizialität geführt haben, erkennen.

Radivoj Stokanov

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