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Das Bildungwesen


Sombor war im 18. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum der serbischen Kultur und Bildung; es galt als die “Fackel des Mikrokosmos“ für die ganze geteilte serbische Nation, die nach dem Verlust ihrer Eigenstaatlichkeit zum ungeliebten Bestandteil zweier fremder Staaten, einerseits des österreichischen (später österreichisch-ungarischen) Kaiserreiches, andererseits des Osmanischen Reiches, geworden war. Unter noch weiteren Städten der Vojvodina, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts den Status “Königliche Freistadt“ erworben hatten, hielt Sombor eine herausragende Stellung inne – wegen seines hohen Ansehens als Stadt der Kultur und der Bildung und wegen seiner Schicht wohletablierter serbischer Bürger, die bereits ihre Söhne an renommierte europäische Universitäten schickten. Nach Beendigung ihrer Ausbildung kehrten diese Söhne in ihre Geburtsstadt zurück und unternahmen es ihrerseits, Bildung und Kultur zu verbreiten; sie gründeten Schulen und waren verantwortlich für eine Reihe pädagogischer wie kulturfördernder Maßnahmen, welche sich als hochbedeutend für die serbische Nation und ihr Überleben zwischen den beiden Mühlsteinen, dem Katholizismus und dem Islam, erweisen sollten. Als besonderes geistiges Zentrum wirkte Sombor im pannonischen Raum solange, bis man seine Stellung an neue Verwaltungszentren delegierte. Sombor hat sich seinen Platz in der Geschichte des serbischen Bildungswesens gesichert als die Stadt, in der die erste serbische Lehrerbildungsanstalt gegründet wurde. Die Tatsache, daß diese immer noch eine von drei solchen Ausbildungsstätten des Landes ist, und dass sie kontinuierlich, bis auf den heutigen Tag wirkend, den bisweilen schwierigen Weg durch die Reformen bestanden hat, macht sie einzigartig in der Geschichte des serbischen Bildungswesens. Ihr Begründer, Avram Mrazović, Sohn des Somborer Priesters Georgije, der Pädagoge und Humanist ebenso wie Schriftsteller und Übersetzer mit klassizistisch-aufklärerischer Intentionen, war zusammen mit Stefan Vujanovski und T. Janković-Mirijevski – mit zwei berühmten Pädagogen jener Zeit, ein Pionier des modernen serbischen Bildungswesens. Die NORMA ist eine dieser Einrichtungen, die in ihrer Bedeutung noch über das eigentlich Beabsichtigte hinaus ragt. In der Zeit ihrer Gründung, ebenso wie in den darauffolgenden Jahrhunderten (selbstverständlich in jeweils der Zeit angepasster Form), war diese Schule für die Serben “eine einzigartige nationale Institution zur Förderung der serbischen Intelligenz“. Berühmte Persönlichkeiten aus unserer Kulturgeschichte zählten ab Ende des 18. bis ins 20. Jahrhundert entweder zu ihren Lehrern oder Schülern. Sie gilt als ein bedeutender Meilenstein in der Kulturgeschichte der serbischen Nation. Im 18. Jahrhundert entfalteten die Serben in Ungarn ihre eigene bürgerliche Kultur, die von Europa inspiriert war, die aber auch ihren geistigen Beitrag an Europa abgab. Von unschätzbarer Bedeutung für die serbische Kultur war, daß in diesem pannonischen Raum schon damals eine Synthese unseres geistigen Wesens mit dem Geiste der westlichen Zivilisation stattfand, was unsere Schriftsteller und Pädagogen ermöglicht haben.

 

Wichtige Jahreszahlendatumi:

- 1717 erfolgt die Gründung der ersten orthodoxen Grundschule in Sombor

- 1756 wurde in Sombor Avram Mrazović geboren, der Gründer der NORMA, der ersten Lehrerausbildungsanstalt der Südslawen

- 1778 am 1. Mai nahm Mrazović’s NORMA ihre Tätigkeit auf

- 1794 Druck der ersten Auflage von Mrazović’s Handbuch der slawischen Grammatik

- 1799 erste Übersetzung Robinson Crusoes in die serbische Sprache, übersetzt von Nikolaj Lazarević, der der Schüler von Mrazović war und ehemaliger Lehrer allgemeiner Schulen

- 1812 Gründung der serbischen Präparanden-Schule in Zenth András

- 1816 Umzug der Präparanden-Schule von Zenth András nach Sombor

- 1817 wurde die Bibliothek der Lehrerbildungsanstalt in Sombor gegründet; Eröffnung der Schulbibliothek des “Königlichen Pädagogiums des Illyrischen Volkes“, welches per kaiserlichen Dekrets gegründet wurde; erhalten geblieben ist der Bibliothekskatalog mit den Namenseinträgen der ersten Spender

- 1821 Druck des Handbuchs von Mrazović zur slawischen Rhetorik

- 1848 Serbisch wird Verwaltungssprache (nachdem es bis 1844 Lateinisch und bis 1848 Ungarisch gewesen waren) in Sombor

- 1863 an Stelle der alten wurde das neue Gebäude für NORMA erbaut

- 1866 in Sombor erscheint erstmals “Školski List“ (Schul-Blatt), die erste pädagogische Zeitschrift in serbischer Sprache mit der Beilage für Kinder “Prijatelj Srpske Mladeži“ (Freund der serbischen Jugend)

- 1871 Verlängerung der Ausbildungsdauer auf drei Jahre; Einführung der Naturwissenschaften; Zulassung weiblicher Schüler

- 1895 Errichtung des neuen Schulgebäudes einer Stiftung des Patriarchen Georgij Branković

- 1920 die bis dahin kirchliche Lehrerbildungsanstalt in Sombor wird zu einer staatlichen Einrichtung

- 1963 Vollendung des Baus der Gedenk-Schule (spomen-škola) mit Turnhalle und Schülerwohnheim (das heutige Fakultätsgebäude)

- 1973 Gründung der Akademie für Pädagogik in Sombor – einer Anstalt für die Ausbildung von Mittelschullehrern

- 1978  wurde zur Feier des 200-jährigen Jahrestages der Lehrerausbildung in Sombor ein Internationales wissenschaftliches Symposion abgehalten; erschien ein Jubiläumsbuch und ein Fachbuch hierzu: Heutige Konzeptionen und Persepektiven der Lehrerausbildung; erschien auch das Buch: 200 Jahre Lehrerausbildung in Sombor; ein Lehrer-Kongress wurde abgehalten

- 1980 die Pädagogische Akademie wurde Bestandteil der Universität von Novi Sad

- 1989 die Universität von Novi Sad schlug ein Modell der Hochschulbildung für Lehrer in der Vojvodina vor

- 1990 die Versammlung der Gemeinde Sombor erteilt die Zustimmung für ein Elaborat zur Gründung der Fakultät für Lehrerausbildung in Sombor

- 1993 am 1. Juli Gründung der Fakultät für Lehrerausbildung

- 1993 am 10. Oktober nimmt die Fakultät für Lehrerausbildung ihre Tätigkeit auf

 

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