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Ernest Bošnjak und Laza Kostić


ERNEST BOŠNJAK UND LAZA KOSTIĆ
 

Ernest Bosnjak i Laza
Kostic


Bezirkspark in Sombor. Ende Mai 1909, 12 Uhr mittags.

 
ERNEST BOŠNJAK (erstaunt): Guten Tag, Guten Tag, Herr Kostić, szellemi arisztokracia, entschuldigen Sie, dass ich Sie störe...!!

 
LAZA KOSTIĆ (überrascht, mit einem Anflug anhaltender Nachdenklichkeit auf dem Gesicht): Ach, Sie sind es, junger Herr BOŠNJAK! Jo napot, jo napot... Hätte im gleichen Augenblick nicht die Glocke der Kirche des Hl. Georg geläutet, hätte ich gedacht, ich wäre in Novi Sad, auf dem Wege zur „Linda“, zu einem Glas Bier vor dem Mittagessen, denn so grüßte mich immer mein ungarischer Freund vom Magistrat aus Novi Sad, Dr. Aladar Bala, der spätere Großzupan des Ortes..., genau so – szellemi arisztokracia! Ich danke Ihnen. Ich danke Ihnen auch für die unerwartete Gelegenheit, dass ich diesen Strauß junger hübscher Mädchen begrüßen darf, die mit anderem Schwung begeistert vor dem wachen Auge Ihrer Kamera tanzen, ohne jemanden zu bemerken, ja auch nicht einen alten Herrn in seiner Begeisterung. Was nehmen Sie auf?

 

ERNEST BOŠNJAK (zaghaft): Terpsichore Birodalamban „ Im Reiche der Terpsichore“ einen Spielfilm. Auf der Tafel der Kunstkenner der „beweglichen Bilder“ wird die Reportage sehr schnell einen nichts sagenden Geschmack haben. Die Betörung durch die Erfindung der „lebendigen Bilder“ wird auf das Publikum nicht mehr lange eine Anziehungskraft ausüben können. Der Film muss zur Kunst werden oder es wird ihn überhaupt nicht mehr geben!!!

 
LAZA KOSTIĆ (erfreut): Im Reich der Terpsichore. Die tragische Muse der griechischen Mythologie, die Tochter des Zeus und der Mnemosyne,... ein Spielzeug, welches das menschliche, mütterliche Gefühl dem Hochmut übergeordnet hatte. Als ihre Töchter, die Sirenen, den Gesangswettbewerb mit den Musen verloren hatten und zur Strafe ohne Flügel blieben, lehnte sie es ab, sich mit den blutigen Trophäen des Sieges zu schmücken... Auch Sie sind, Herr BOŠNJAK, wie ich sehe, genau wie ich in der Jugend von Hellas begeistert. Hm, Hm (lächelnd), nur passen Sie auf, das WORT ist in den Händen des Sachverständigen, des Dichters, ein dankbareres Werkzeug als die KAMERA bei der Fabrikation ästhetischer Lügen...

 
ERNEST BOŠNJAK (ungeduldig): Entschuldigen Sie, dass ich für einen Augenblick und ungeschickt Ihren sinnreichen Rückblick unterbrechen muss und Ihren Gedanken selbst zu Ende führen werde, denn er bedrängt mich die ganze Zeit. Anstatt eines Schlages – ein Gegenschlag.

 
LAZA KOSTIĆ (liebenswürdig): Bitte, nur zu!

 
ERNEST BOŠNJAK (keuchend): Wie kann dieser staubige Park die Bühne des weit entfernten romantischen Arkadiens heraufbeschwören, in dem klare Bäche dahinplätschern, Paradiesvögel zwitschern und zufriedene Hirten vor sich hin trällern!!! Und wie werden die molligen Mädchen, die den Kolo noch mit ungeschickten stolpernden Schritten tanzen, sonntags an der Kreuzung der Konjevac Gasse (Konjevacki sokak) ihre Bewegungen in einen graziösen Tanz der antiken Halbgötter verwandeln!!! Zum Glück (ironisch) ist die Kamera taub und stumm und der Zuschauer wird den Sirenen-Ruf ihrer berauschenden Stimmen nicht hören können! Das wollten Sie sagen?

 
LAZA KOSTIĆ (zufrieden): Ich gratuliere, Sie haben meine Gedanken richtig erraten. Aber ich möchte Sie auch trösten: die Pioniere der Kunst waren nie Sancho Pansas, sondern Don Quijots. Die Kunst echter zerstreuter Hidalgos und nicht nüchterner Mauleseltreiber! Und hüten Sie sich vor der Menschenmasse! Als ich im Dezember 1895 nach meiner Hochzeit auf der zweiten Hochzeitsreise mit meiner Frau in Venedig eintraf, verwandelte sich die Stadt in einen riesigen Erzählersaal über die Aufführung der Pariser Brüder im „Grand Café“. Das Einfahren des Zuges in den Bahnhof löste eine größere Sensation aus als zusammen: Manzonis „Die Verlobten“, Garibaldis Werk der Vereinigung und die Hochzeit des Zarewitschs... Die Worte „Lumiere, Frankreich und Paris befanden sich ununterbrochen auf den Lippen der Venezianer... Das neue Weltwunder verblasste sehr schnell, als die wandernden Kinematographen wie die Zirkusse in jeden Winkel des Landes blickten und die Freude des Erlebnisses der Erfindung verkauften, die das erste Mal in der Geschichte der Menschheit das Bild für einen armseligen Kreuzer bewegten.


ERNEST BOŠNJAK (mit gemischtem Gefühl der Begeisterung und Resignation): Großartig, was für ein Aufschwung und was für ein Zusammenbruch!

 
LAZA KOSTIĆ (tief in sich gekehrt): Seit jedem weit zurückliegenden Aufenthalt in Venedig bedrängt mich jedoch ein anderes Bild, Longhenas Barockbauten am Großen Kanal, die Kirche der Erlöserin, Santa Maria della Salute. In den schlaflosen Nächten, solange die Agonie meiner Frau im Nachbarzimmer andauerte, irre ich hilflos auf den Meeren der Hoffnungslosigkeit und der einzige Rettungsanker, den ich finde, ist die Erinnerung an diese Barockkirche, errichtet auf den Baumstämmen der slowenischen Berge, denen ich in einem Jugendgedicht nachtrauerte. An diesen weißen Schwan in den schwefelhaltigen Dämpfen dieses übel riechenden Tümpels... Und die Erinnerung an ein Mädchen, die die neidischen Götter vor der Zeit zu sich genommen haben, gerade in der Blüte der Jugend und Jungfräulichkeit – die Tochter meines Trauzeugen, Lenka Dundjerski... Wissen Sie, welches das größte und schrecklichste Thema der ganzen Literatur seit deren Bestehen ist?... Der Tod einer jungen und schönen Frau! Lesen Sie .......... (Pua)!

 
ERNEST BOŠNJAK (neugierig): Dundjerski, die serbenverteidigenden Dundjerskis, in deren Theater in Novi Sad ein gewisser Kovač, ein Budapester, knapp ein Jahr nach der ersten Pariser Filmaufführung die erste Filmaufführung in Novi Sad veranstaltete, deren Namen die damaligen Zeitungen nicht wussten. „Künstliche Darbietung“ schrieb der „Branik“, während Miletićs „Zastava“ schwieg.


LAZA KOSTIĆ: Ja, Ja, die berühmten Dundjerski sind meine Trauzeugen. Lazar Dundjerski, Lenkas Vater und mein Trauzeuge, errichtete auf eigene Kosten das Gebäude des Serbischen Nationaltheaters an Stelle des alten, abgebrannten. Erinnern Sie sich vielleicht noch an den Tag, als die hochmütigen Bürger des Serbischen Athens die erste Filmaufführung gesehen haben?

 
ERNEST BOŠNJAK: Selbstverständlich, und nicht ohne Neid und Missgunst: 26. Oktober oder 7. November 1896 im neuen Stil.


LAZA KOSTIĆ (entsetzt): Mein Gott, was für eine schreckliche Konkordanz! Als die Glocken der Hauptkirche anlässlich der jährlichen Totenmesse läuteten, stürmte die Menschenmenge in das Dundjerski-Theater, um sich vor der neuen Gottheit des anbrechenden Jahrhunderts – der Kinematographie zu verneigen!

 
 
Radivoj Stokanov

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