360
Zastitnik gradjana

 

 www.difmoe.eu

 betlen

Vorfälle aus dem Somborer Leben


VORFÄLLE AUS DEM SOMBORER LEBEN


DER REPORTER: Wenn es hier einst das Kino "Arena", das Sie ausgebaut haben, war, und es wurde mit dem neuen Namen "Zvezda" häßlich gemacht, es ist Ihnen klar, Herr Bošnjak, dass es heute in diesem Kino keine Spur von der Wirklichkeit Ihrer Zeit gibt und keine Spur des Glaubens in die wertvollsten Sinne des Menschen – Hören und Sehen. In Ihrer "Arena" werden heute unbedeutende Sachen verkauft. Sombor hat ein einziges Kino, und das heißt, dass man überhaut nicht sprechen kann über die Schöpfung des Films in der Stadt, in der Sie über die Filmindustrie geträumt haben.

ERNEST BOŠNJAK: Das weiss ich. Ich habe auch damals geahnt, dass das Schicksal des Films in Sombor solches wird, dass sich über "das magische Phänomen des Lichtes und des Schattens" niemand ernst interessieren wird. Und dass nur wenige, die sich für die Welt des Films entschlossen haben, ins Ausland weggehen. Die Somborer geniessen masslos die Vergangenheit, das ist bekannt. Diese ihre Melancholie, poetische und melancholische Erinnerung ist eine Art ihrer Innenwelt, des eigenen Films. Für einige ist ihre Vergangenheit eigentlich ihre Zukunft. Und es ist ihnen immer besser alles, war früher war! Und sie wollen nicht, dass ihnen alltägliche Lebensordnung durch irgendwas gestört wird. Sie erwähnen mich heute auch manchmal, aber während ich dort war, waren sie misstraurisch gegen meine Arbeit. Sie haben meine Arbeit und mein Unternehmen mit mildem Argwöhnen, mit der bemerklichen Ingnoranz und mit Bosheit hinter milder Vorbeugung, begleitet. Kurz gesagt, um zu leben, in Sombor oder in einer anderen Stadt, muss man ein bisschen sterben.


REPORTER: Sie sind böse über Ihre Mitbürger wegen solchen Verhältnissen zu der Filmkunst?
 

ERNEST BOŠNJAK: Ich habe den Wert des Lichtbandes gekannt und mein ganzes Leben habe ich dieses Licht in Bilder gesammelt, ich habe neuen Wert geschafft, neue Leinwand, neue Realität, und meine Somborer haben das einfach nicht gefühlt, oder sie wollten nicht, sich damit zu belasten. Und dass kann ich ihnen nicht übel nehmen. Wir haben unterschiedliche Realitäten gelebt. Ich habe geahnt das, was man wirklichere Wirklichkeit als die Wirklichkeit nennen könnte...


REPORTER: Sie haben virtuelle Wirklichheit geahnt... 

ERNEST BOŠNJAK: Kann sein, dass man das so nennt... Und ich sage, meine lieben Somborer haben die Illusion des Alltags genossen und sie haben davon geträumt. Entweder Pest, noch Wien, noch Zagreb haben so viele Bände ihrer Publik projektiert. Belgrad und Novi Sad haben von Lifka, von Manaki und Bošnjak gehört.

REPORTER: Ja, Sie wurden endlich aus Novi Sad eingeladen, und aus Sombor abgestoßen. Das ist die Zeit, als eine schlechte Einschätzung das Bild Sombors als einer Filmstadt dunkel gemacht hat.

ERNEST BOŠNJAK: Was am schlimmsten ist, haben jene, die die Einschätzungen gemacht haben, ihr Jahrhundert und die Wörter ihres Jahrhunderts verbraucht. Und ich habe gleichzeitig, die Wörter in Drucksätze, in meine Journale, sammelnd, eingesehen, dass es auch in meinem Jahrhundert sehr viele Wörter gibt, und dass sie keine Kraft mehr haben. Man hat sich gefühlt, dass die Wörter nicht motivieren und nicht bewegen den Menschen, dass es eine Zeit gekommen ist, wo eine Fülle der Wörter herrscht. Mit dem graphischen Zeichen und mit der Schrift kann man nicht mehr treu beschreiben und vorstellen das, was man erlebt. Deshalb habe ich mich dem Film gewandt, weil die Filmkunst nicht die Wörter verschwendet, ihre Zeichen sind umfangreicher.

REPORTER: Und wie erklären sie diese merkwürdige Situation, dass der Film und dass Interesse für Filmkunst in Sombor fast verschwunden sind, und das Theater den Wiederstand geleistet hat.

ERNEST BOŠNJAK: Die ersten Filme habe ich in dem Theatergebäude vorgezeigt. Das sind, auf den ersten Blick, sehr verwandte Formen, aber eben das, was sie einem Phänomen des menschlichen Geistes macht, das macht sie der Form nach sehr unterschiedlich. Ich habe die Welt von Sombor mit weit offenen Augen begleitet und ich habe bemerkt: Der Theaterzuschauer muss im Spektakl teilnehmen, und er ist dem Schauspieler und seinem Schauspiel verpflichtet, und der Filmzuschauer sammelt die Stückchen des Sinns auf eine andere Weise und macht aus ihnen eine neue eigene Wirklichkeit. Der Theaterzuschauer und der Schauspieler berühren sich mit dem Blick. Filmzuschauer und Schuspieler sind mit der Leinwand getrennt. So haben viele meine Somborer die Sklaverei der Konventionen ausgewählt. Und es geschah, dass BOER Film mit seinem Schwenk ein Film für alle Zeiten bleibt.


 Milivoje Mlađenović

Arbeitzeit:
Arbeitstage: 7:30 - 19:00 ,
Samstags 7:30 - 13:00